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 VDE Normen, Kfz Klemmenbezeichnungen, Wechselrichter und Netzvorrangsschaltung,

Diese Seite befasst sich mit den  wichtigsten VDE Normen zum sicheren Betrieb im Wohnmobil sowie den Klemmenbezeichnungen im Kfz und im speziellen für Fiat Ducato und Ford Transit. Die Beschreibung ist für die allgemeine Verständlichkeit vereinfacht dargestellt. Mehr zu diesem "spannenden" Thema finden Sie in meinem Buch "Strom und Spannung", in dem die einzelnen Themen ausführlicher erklärt sind.
Bitte beachten Sie, dass bei Arbeiten an der 12V und 230V Anlage die notwendigen Fachkenntnisse vorhanden sind. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an einen ausgewiesenen Elektroinstallateur.



Wichtige VDE Normen und Vorschriften

Zu den wichtigsten Richtlinien bei Elektroinstallationen zählen die DIN VDE Normen. Zum Verständnis der nachfolgenden Normen muss man allerdings etwas voraus schicken:
DIN VDE Normen
sind eine Sammlung von Regelungen und Richtlinien zu Installation und Betrieb elektrotechnischer Anlagen und gelten rechtstechnisch bei Haftungsfragen als "Stand der Technik". Die Anwendung von VDE Normen ist nicht bindend, man kann ohne weiteres und zu jeder Zeit davon abweichen, wenn man auf andere Art und Weise, vielleicht auch durch eine bessere und fortschrittlichere Technik oder Erfindungen, das gleiche Schutzziel erreicht!
Rechtsverbindlichkeit erlangen Normen, z.B. die VDE 100, allerdings wenn Gesetze (Energiewirtschaftsgesetz EnWG, Arbeitsschutzgesetz ArbSchG), Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften) oder Rechtsverordnungen wie zum Beispiel EU-Richtlinien auf sie verweisen. Das EnWG, in dem u.a. auch die Stromlieferungen der Energieversorgungsunternehmen (EVU) an den Verbraucher geregelt werden, bezieht sich auch auf die VDE 100. Die VDE 100 hat damit, als Teil des Energiewirtschaftgesetzes EnWG, eine verpflichtende Grundlage für die Ausführung von Elektroinstallationen zum Bezug von Stromlieferungen durch die EVUs (siehe auch deren AGBs).
 

Viele VDE Normen ergänzen andere, manche VDE Normen widersprechen inhaltlich anderen Richtlinien und manche Texte sind eine Sache der Auslegung. Wichtig ist es auch nicht nur den Text sondern auch die Kopfinformationen mit Datum, Status und Änderungspunkten zu lesen. Kurzum, es handelt sich um eine Sammlung von und für Fachkräfte die wissen was sie in diesem oder in jenem Fall zu befolgen haben, für Laien ist das ganze Zusammenspiel nur schwer ersichtlich.

Quelle: www.elektrofachkraft.de
*Zitat: Die gesetzliche Grundlage der Regelung für das Errichten und Betreiben elektrischer Anlagen ist im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) (Stand: 01.01.2020 aufgrund Gesetzes vom 30.11.2019) verankert. In der aktuell gültigen Fassung ist in § 16 eindeutig Bezug auf die Bestimmungen des Verbandes Deutscher Elektrotechniker e.V. (VDE) genommen worden, womit die DIN-VDE-Bestimmungen im Rahmen der allgemein anerkannten Regeln der Technik einen quasi rechtsverbindlichen Status erhalten. Neben den DIN VDE-Bestimmungen zählen auch andere Vorschriften- und Regelwerke juristisch zur Gruppe der allgemein anerkannten Regeln der Technik. Hier sind u.a. die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (BGV) – z.B. BGV A3 (jetzt: DGUV Vorschrift 3) "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" – und die Richtlinien des Verbandes der Schadenversicherer e.V. (VdS-Richtlinien) zu nennen.
Fazit:
Die DIN-VDE-Bestimmungen gelten unter Berücksichtigung des EnWG als quasi rechtsverbindlich. Aufgrund des juristischen Gefüges kann jeder Elektrofachkraft und jedem Betreiber elektrischer Anlagen nur nachdrücklich geraten werden, grundsätzlich die allgemein anerkannten Regeln der Technik und damit auch die Anforderungen der DIN-VDE-Bestimmungen zu beachten.
Die rechtliche Praxis
:
Bei einer Elektrofachkraft die bei der Ausübung ihrer Aufgaben von den "allgemein anerkannten Regeln der Technik" abweicht, wird vermutet, dass sie nicht richtig gehandelt hat. In diesem Fall, muss die Elektrofachkraft im Ernstfall erst beweisen, dass sie und wie sie die gleiche Sicherheit auf andere Weise gewährleistet hat und somit nicht schuldhaft gehandelt hat. Juristisch handelt es sich hierbei um die so genannte "Umkehr der Beweislast".
Zitat Ende.
Man darf sicher sein, dass ein Hobbybastler ohne Ausbildung kaum als Elektrofachkraft angesehen wird und wenn dessen Bastelei nicht dem "Stand der Technik" entspricht hat er im Schadensfall ganz, ganz schlechte Karten.

Und nun zur hoffentlich sauberen Umsetzung im Bereich Caravan/Wohnmobil:
In Wohnmobilen/Caravans sind/werden für den 230V-Bereich überwiegend TN-S Netze installiert. Für deren elektrische Einrichtung und Betrieb gelten u.a. die VDE 0100-410 und die aktuelle DIN VDE 0100-721: 2016-11, Teil 7-721. Die VDE Normen für die elektrotechnische Einrichtung von Campingplatz und Caravans beziehen sich auf einander und gelten bei Campingfahrzeuge ohne eingebaute 230V Stromgeneratoren und Ersatzstromerzeuger (WR)!!
Der 230V-Anschluss an die CP-Stromsäule erfolgt über ein verpolungssicheres CEE-Anschlusskabel nach VDE 0285-525:2012-01, Teil 2-21
, Gummikabel Typ H05RR-F 3G 2,5 mm2 am besten in Signalfarbe, mit blauen CEE-Steckern und Kupplungen.
In der CEE-Anschussbox muss der gelb/grüne Schutzleiter (PE) mit einem Kabelquerschnitt von 4mm2 flexibel mit dem Fahrzeugchassis verbunden werden.

  • Die gesamte elektrische Anlage des Caravans muss durch einen Hauptschalter abschaltbar sein. (Ein FI oder LS Schutzschalter zählt als Hauptschalter).

  • Der Gesamtstromkreis muss durch eine Überstromschutzeinrichtung (LS) abgesichert werden. Zusätzlich wird gefordert, dass jeder Stromkreis durch einen eigenen FI/RCD (30mA) abgesichert wird.

  • Bei allen Steckdosen / Verbrauchern muss der Schutzleiter angeklemmt sein. Alle Aderenden müssen mit Aderendhülsen versehen werden und die Leitungen müssen der Kategorie H05RN-F 3G 1,5mm² entsprechen

  • 230V- und 12V-Leitungen müssen getrennt verlegt werden und gegen mechanische Erschütterung bzw. Beschädigungen (Kabelkanal, Wellrohr) geschützt werden. Kabel, die durch Blech oder Kunststoffdurchführungen gehen, müssen mit einer Kabeldurchführung geschützt werden.

In Bezug auf Personenschutz mittels FI/RCD gilt eigentlich die DIN VDE 0100-410:2007-06, für Caravans/Wohnmobilen gibt es aber keinen Verweis. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage:
Wann und wo brauche ich einen FI/RCD/LS-Schutzschalter im Wohnmobilbetrieb? (Fi/RCD = Fehlerstrom, LS = Lastschutz)

1. Ein FI/RCD/LS-Schutzschalter Typ A muss den Ausgang der 230V-Stromversorgungssäule des Campingplatzes absichern.
2. Ein LS-Lastschutzschalter muss die verlegten Stromleitungen im Wohnmobil gegen Überlastung absichern. Bei 1,5 mm2 Leitungsdurchmesser ist es ein 16A Haushaltsautomat.
3. Ein FI/RCD-Schutzschalter Typ A sollte/muss? zusätzlich den Personenschutz im Wohnmobil absichern, obwohl dies schon vor dem Anschlusskabel an der CP-Stromsäule erfolgt. Aber, im Zweifel für den doppelten Schutz, nimmt man deshalb am besten einen kombinierten FI/RCD/LS-Schutzschalter und ist dann auch auf dem CP in Marokko sicher.

Komplizierter wird es mit dem Einsatz eines festangeschlossenen bzw. stationär eingebauten Wechselrichters (WR):
Wechselrichter sind im Sinne der VDE Ersatzstromerzeuger. Lesen Sie bitte zuerst die BDA des WR-Herstellers genau durch.

4. Ein WR mit nur einer Ausgangssteckdose, an die nur ein Gerät angeschlossen ist, benötigt im WR-Ausgang keinen FI/RCD-Schutzschalter. Hier gewährleistet die „galvanische Schutztrennung" den notwendigen Personenschutz.
5. Versorgt der WR mehrere Geräte / Steckdosen bildet er ein eigenes Netz, somit ist die Schutzmaßnahme "Schutztrennung" nicht mehr gewährleistet. Hier muss im oder hinter dem WR ein 2-poliger, FI/RCD Schutzschalter Typ A installiert sein/werden. Sind die Potentialverhältnisse unbekannt oder sind glatte Gleichfehlerströme zu vermuten und liegt keine schriftliche Erklärung des Herstellers vor ist ein allstromsensitiver FI/RCD, Typ B zu verwenden.

Das WR-Gehäuse (Erdungsbolzen) muss mit der Fahrzeugmasse und dem PE am CEE Eingang mit
flexiblem Kabel, Ø 4mm2 verbunden werden.
6. Wird der WR fest in den 230V-Fahrzeugstromkreis, vielleicht sogar mit NVS, eingebunden muss am WR von einer Fachkraft durch Nullung ein TN-C Netz im Wohnmobil aufgebaut werden.

Dazu muss am Ausgang des WR und vor dem externen FI/RCD von einem der stromführenden Leiter über eine Erdungsbrücke (Ø 2,5mm2) eine Verbindung zu PE (Masse) hergestellt werden. Geräte für den deutschen Markt haben dafür einen Brückungspunkt. Außerdem muss der PE der fest installierten Steckdosen mit flexiblem Kabel, Ø 4mm2, mit der Fahrzeugmasse verbunden werden.

Achtung
: Für Feuerwehr- oder Baustellengeräte gelten andere bzw. weitere VDE Normen, die hier aber nicht aufgeführt sind.


Für die Niedervoltanlagen,
die mit DC 12/24/48V betrieben werden, gelten DIN EN 1648-1 & 2, 2018-04. Für Stromkreise die mit 12V oder 24V Gleichspannung betrieben werden ist nur ein Schutz gegen die Überlast vorzusehen.
Für 12V Leitungen benutzt man am besten den Kabeltyp FLY mit 2,5 mm2 oder eine Doppelleitung NYFAZ mit 1,5 mm2.

Für den Batterieeinbau gilt:
Nassbatterien dürfen nicht in Wohnräumen verbaut werden und benötigen eine Entgasungsleitung ins Freie. Alle Batterien müssen crashsicher (20g/8g Bestimmung) befestigt werden. Für Batterieanlagen im Kfz gelten die DIN EN 62281 und VDE 0509-6:2018-07 sowie die DIN EN 50272-2 VDE 0510-2:2001-12.

Für Photovoltaikanlagen gilt:

DIN VDE 0100-712 (2016-10) und die DIN EN 62446.


Klemmenbezeichnung in der Kfz-Elektrik, Anschlüsse bei Fiat Ducato und Ford Transit

Kl 61 auch D+, Ladekontrollleuchte, Steuersignal für Trennrelais Batterien, Kühlschrank
Kl 15 Plusspannung, wenn Zündung eingeschaltet ist, Steuerung, Sat-Schüssel, autom. Treppe, elektr. Hubstützen
Kl 15r Zündungsplus (+) für Radio (auch R)
Kl 30 Plusspannung, direkt von der Batterie
Kl 31 Minusleitung, direkt von der Batterie
Kl 58d Dimmbare Instrumentenbeleuchtung
Kl 61 auch D+, Ladekontrollleuchte, Steuersignal für Trennrelais Batterien, Kühlschrank
KL 75 Autoradio, Zigarettenanzünder
ACC Schaltstellung vor Zündung,  Zubehör-Steuersignal, ähnlich Kl. 15, ist aber nicht bei allen Herstellern vorhanden
 X Für alle Verbraucher, die während des Motorstarts oder zur Stromverbrauchsminimierung abgeschaltet werden sollen oder können.
Rel.Kontakt 85 Steuerspule vom Relais
Rel.Kontakt 86 Steuerspule vom Relais
Rel.Kontakt 30 Eingang Schließer/Öffner/ Wechsler
Rel.Kontakt 87 Ausgang Arbeitsstromkreis (no) am Relais (Schließer)
Rel.Kontakt 87aAusgang Ruhestromkreis (nc) am Relais (Öffner/Wechsler)

Fiat Ducato Dauerplusanschluss:
Abhilfe: Einfach das Relais T12 im Sicherungskasten neben dem Lenkrad ziehen und die Kontakte 30 und 87 mit 1,5 mm2 verbinden. Fertig! Es sind drei rote Relais vorhanden; T12 ist das rote oben rechts. Die Absicherung über F44 bleibt erhalten.

Fiat Ducato 250/244 und X250/290, Chassisanschlüsse
Bei allen alten Fiat Chassis 290/244 ist das von der Lima kommende D+-Signal intern abgesichert, bei den anderen Herstellern geschieht dies erst außerhalb der Chassisverkabelung.
Bei den neuen X250/290 Chassis für Ducato, Citroen Jumper und Peugeot Boxer gibt es kein direktes D+ Steuersignal aus der Lichtmaschine. Zumindest bei den „Grundchassis für Ausbauer“ ist im unteren Bereich der rechten B-Säule hinter der Verkleidung ein Stecker C036 L1A (15-polig), "Option Vorbereitung für Aufbauher-steller". Dort ist der Pin2 = D+ aktive ground (aktiv an Masse = D-). Belastbar ist dieses Steuersignal mit 0,3A.. Das D+ schaltet aber gegen Masse und ist damit kein +12V Signal. Dort gibt es auch noch das Signal +SCHLÜSSEL (ACC, Pin13), das eine ähnliche Funktion hat, aber nach +12V schaltet und ebenfalls nur wenig Strom liefern kann. Dieses Signal kommt vom als "Key-On ACC" vom Zündschloss. Das "Key-On" ist zwar ein +12V Signal, aber nur mit 0,6A belastbar. Zusätzlich gibt es noch einen, mit 30A abgesicherten, 12V-Anschluss. Bei einer Option "Radiovorbereitung" sind dort auch Anschlüsse für Hecklautsprecher aufgelegt.
Bei Kastenwagen und „Günstig-Chassis“ gibt es diese „Ausbauer-Anschlussbox“ leider nicht. Oft wird auch ein Rückfahrsignal benötigt. Beim Fiat Ducato X250 findet man es im linken Fußraum unter der Plastikverkleidung. Dort findet man einen Kabelbaum, die dickste weiß/blaue Ader im Kabelbaum, 1,5 mm²) sollte das Rückfahrsignal liefern.
Der Ducato X250 hat übrigens zwei Crash-Sicherheitsschalter (1x Kraftstoff, 1x Stromversorgung), die bei Umbauarbeiten eventuell auslösen können. Der Reset steht im BDM auf Seite 68.

Ford Transit, BJ 2006-2013, Chassisanschlüsse
Alle Angaben aus dem Ford
Handbuch für Ausbauer (BEMM) zum Download auf: https://www.etis.ford.com/bemm/. Die Klemme15 (Zündung an) ist im Fußraum rechts hinter dem unteren Handschuhfach, ab 2008 ist der Anschluss rechts von der Lenksäule als 6,3mm Flachstecker aus dem Kabelbaum herausgeführt. Klemme 61 (D+ ECM Computer) ist im großen Kabelbaum zwischen Lenksäule und der Instrumenteneinheit. Die Sicherung für D+ ist links oben hinter der Abdeckung der Lenksäule. Bei allen nach August 2006 hergestellten Fahrzeugen gehört dieser Signal-Abgriffspunkt (Stecker) zur Grundausrüstung. Er befindet sich hinter dem Handschuhfach im Armaturenbrett. Beim Ford Transit ab Bj. 2006 werden die Signale für Fahrgeschwindigkeit (SCV/GALA) und Rückwärtsgang nur als CAN-Meldungen über den Multimediabus übertragen.
Auch beim Ford Transit ab BJ 2013 ist die Startbatterie in der Fahrersitzkonsole. Im Gegensatz zum vorherigen Modell sind beim 2-Batterien-System beide Batterien permanent parallel geschaltet. Hier gibt es auch kein originäres D+ Signal von der LiMa sondern ein "Switched Ground Engine Run Signal (0,2A)" vom Engine Control Modul ECM. An der rechten Seite der Fahrersitzkonsole ist ein Aufbau-Interface Connector. An diesem ist Pin 3 "Engine run ground" (0,25A), also D- active ground und Pin 6 Zündung Kl.15 (10A). Hinten, innen, links in der Sitzkonsole ist auch eine "Auxillary Fuse Panel" mit sieben User- Relais. Links außen an der Sitzkonsole ist ein User-Anschlusspanel mit 3x60A Sicherungen und 3x Anschlusspunkten. Die Anschlüsse Kl. 30 und Kl.15 für die Radio-Stromversorgung dürfen nicht getauscht werden.

Achtung bei den Steckerbelegungen: Es ist nicht immer ersichtlich, ob die Belegung die Sicht auf die Steckerpins vorne oder auf die Verlötungsseite hinten wiedergibt. Testen Sie dies mit einem bekannten Level wie + oder -.

Mit diesem Tool können Sie übrigens den Querschnitt einer Leitung berechnen:
Link: https://hilfreiche-tools.de/berechnung/leitungsquerschnitt-berechnen.html
Achtung: Der Kabelquerschnitt (mm2) ist nicht gleich dem Kabeldurchmesser (mm)!! Ein Kabeldurchmesser von 2,8 mm entspricht einem Kabelquerschnitt von 6 mm2. Die Umrechnung ist wichtig, wenn man den Kabeldurchmesser mit Schieblehre oder Lineal ermittelt.


Dinge, die man außerdem beachten bzw. wissen sollte:

Sicherheit, Arbeitsschutz
Batterien erzeugen bei einem irrtümlichen Kurzschluss durch den hohen Kurzschlussstrom einen Lichtbogen, der einem kurzfristig die Sehkraft rauben kann. Nassbatterien bergen die Gefahr, dass Batteriesäure ausläuft oder spritzt. Tragen Sie deshalb eine Schutzbrille und Handschuhe und verwenden Sie bitte isolierte Werkzeuge!
Beim Ausbau einer Batterie immer zuerst den Minuspol und dann erst den Pluspol abklemmen. Beim Einbau wird zuerst der Pluspol angeklemmt und dann der Minuspol.
Batteriekauf und -auswahl
Beim Kauf von „einbaufertigen“ Batterien im Baumarkt oder Internet sollten Sie umgehend die Spannung messen. Liegt sie unter 12,5V, wurde die Batterie schon einige Zeit in geladenem Zustand gelagert und hat durch Selbstentladung bereits die Hälfte ihrer Ladung verloren.
Mischung verschiedener Batterien
Unterschiedliche Batterietypen sollten nicht parallel geschaltet werden, da ihre Innenwiderstände und Ladekennlinien verschieden sind. Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Zusatzbatterie vom Typ (Blei-Säure/PbCA-Säure/AGM-Vlies oder Gel) der bereits vorhandenen Batterie gleicht. Es empfiehlt sich auch, den gleichen Hersteller zu wählen.
Ausgleichsstrom
Werden Batterien unterschiedlicher Kapazität, unterschiedlichem Ladezustand oder unterschiedlichen Alters zeitweise separat, zeitweise parallel betrieben (Start-/ Aufbaubatterie,), fließen im Augenblick des Zusammenschaltens zwischen den Batterien Ausgleichströme! Bei Blei-Batterien sind das aufgrund der Kapazität (100 Ah) meist sehr kurze Ladungsausgleiche.
Bei LiFeYPO4-Batterien sind aber größere Kapazitäten möglich
(500 Ah), da sollte man diese Ströme beachten, wenn man mit Trennrelais verschiedene Batterien zusammenschaltet (Blei-Start mit LiFeYPO4-Aufbau).

Tiefentladungsgrenze (25%) bei einer Blei-Batterie:12,06 V
Tiefentladungsschutz am EBL bei Blei                    11 – 11,5 V
Ladeschlussgrenze bei einer Blei-Batterie:              14,2/14,3/14,6 V
Ladeschlussgrenze bei einer LiFePO4-Batterie:        14,0 - 14,2 V
UVP (LVP) (25%) bei einer LiFePO4-Batterie:           11,8 V
OVP bei einer LiFePO4-Batterie:                             15,6V

Die angeführten Werte zeigen, dass die Tiefentladungsgrenzen von Blei- und Lithium-Batterien recht unterschiedlich sind. Werden Blei-Batterien gegen Lithium-Batteriepacks ausgetauscht, muss man ggf. auch die eingestellten Alarmwerte und Abschaltreaktionen der verschiedenen Ladegeräte, EBLs, Controlpanels, Heizungs- und Kühlschranksteuerungen und Batteriecomputer beachten und ggf. ändern.


Der Wechselrichter, 12V Gleichstrom auf 230V Wechselstrom,

auch Inverter oder  DC/AC Wandler genannt ist keine Energiequelle, sondern lediglich ein Umwandler. Er wandelt bzw. invertiert eine 12V-Gleichstrom in 230V-Wechselstrom, um dann damit „nur 230V-Geräte“ betreiben zu können. Den benötigten Gleichstrom entnimmt er der Aufbaubatterie. Man sollte aber nicht zu viel erwarten. Die erzeugte Spannung ist bei den kostengünstigen Lösungen keine saubere Sinusspannung sondern ein so genannter „modifizierter Sinus“ (trapez oder rechteckförmig) und manches getaktetes Netzteil hat mit dieser Spannungs- bzw. Frequenzqualität (Oberwellen, Flankensteilheit) seine liebe Not. Aber für den Anschluss von Wasserkocher, Fön, Lampen, Lötkolben oder Elektrowerkzeugen ist er durchaus geeignet.
Für die Versorgung von CPAP-Atemgeräten, Notebooks, LCD-TV/SAT-Anlagen und alle Arten von getakteten Netzteilen (ohne Trafo), für induktive Ladegeräte für Elektrozahnbürsten, Ladegeräte für Akkus oder für einige Komfort-Kaffee- oder Espresso-Maschinen (Senseo, Saeco, Nespresso) sollte es ein echter Sinuswandler sein. Nur dessen optimal schwingende, reine Sinus-Wellenform sichert einen störungsfreien Betrieb dieser Geräte.

Wechselrichter, die eine saubere Sinus-Wellenform liefern, benötigen zum Betrieb eine bestimmte Ausgangslast. Trotzdem sind bei Laständerungen Spannungsschwankungen zwischen 290V und 170V in der Einschwingphase immer möglich.
Eine saubere Sinuskurve sollte wie die ganz linke Kurve (Sinus 230V) aussehen. Leider haben die "modifizierten Sinusspannungen" am Ausgang vieler Wechselrichter aber damit nur noch eine entfernte Ähnlichkeit.


Oder im direkten Vergleich:

Dass mit diesen Wellenformen etliche Verbraucher ihre Probleme bekommen braucht niemanden zu wundern.
Modifizierter Sinus hat eine der obigen Kurvenformen mit extremer Flankensteilheit. Nicht jedes Gerät kommt damit zurecht. Phasenanschnittssteuerungen (Dimmer, manche E-Werkzeuge) können mit Rechteckflanken nicht vernünftig geregelt werden. Die produzierten Oberwellen können z. B. bei induktiv ladenden Zahnbürsten zu Überlastungen führen. Aber für den Anschluss von Wasserkocher, Fön, Lampen, Lötkolben oder Elektrowerkzeugen sind die modifizierten Sinusformen durchaus geeignet.

Beim Anschluss über eine 12V Normdose beträgt die maximale Anschlussleistung ca. 150/180 Watt. Die Zigarettenanzünderdosen sind für einen WR ungeeignet, da sie den Stecker nicht fixieren!!.
Festangeschlossene Geräte gibt es für den Bereich von 200 bis 2000 W.
Aber Achtung, bei einer Ausgangsleistung von 1500 W fließt bereits ein Batteriestrom von ca. 144 A (falls Wirkungsgrad 85%). Der WR muss deshalb direkt, mit kürzester Verbindung und genügend dickem Kabel an die Batterien angeschlossen werden. Außerdem sollte man batterieseitig einen Trennschalter (Natoknochen) vorsehen. Auch die Batterienkapazität sollte, entspechend den gestiegenen Anforderungen, aufrüstet werden wobei man die Gel-Technik meiden sollte. Die Batterielebensdauer verkürzt sich enorm, wenn bei einer C10-Batterie mit einer Kapazität von 200 Ah mal schnell 144 A gezogen werden.

Bitte beachten Sie auch, dass selbst gute Wechselrichter nur einen Wirkungsgrad von max. ca. 85% haben (best case Angabe), d.h. wenn sie 1500 W Leistung für den 230V-Verbraucher benötigen, müssen Sie der Batterie ca. 1725 W entnehmen. Die Differenz wärmt ihr Wohnmobil. Der Wirkungsgrad ist außerdem stark abhängig von der abgeforderten Leistung, auf gut deutsch kann bei einem 1500W Wechselrichter und einer entnommenen Leistung von nur 200 W, der Wirkungsgrad produktspezifisch auf nur 60% sinken. Der beste Wirkungsgrad wird im Betrieb bei ca. 70-80% der Dauernennleistung erreicht. Genaueres muss man typspezifisch den Geräte-Kennlinien entnehmen.
PS: Es ist wie beim Automotor und „dem besten Drehmoment“, also eine Frage des optimalen Arbeitspunktes auf der Kennlinie.

Viele WR sind mit einer Fernbedienung ausgerüstet. Bitte beachten Sie, dass mit einer kabellosen FB ein WR nie ganz ausgeschaltet werden kann. Er hat einen Ruhestrom um das Einschaltsignal der FB zu erkennen und darauf reagieren zu können. Die Stromaufnahme ohne Last kann bei manchen preisgünstigen Exemplaren bei ca. 0,8A liegen. In fünf Tagen ist damit Ihre 100 Ah Batterie leergesaugt.
Wichtige Merkmale bei der Poduktwahl sollten also sein:
1. Reiner Sinus,
2. Leistungsklasse ca. 25% höher als die Summe der Leistungsangabe gleichzeitig betriebener Geräte,
3. Stromaufnahmne ohne Last kleiner 0,1A,
4. Softsartfunktion bei mehr als 1500 Watt
5. keine drahtlose Fernbedienung.
6. nur eine Steckdose und keine Anschlussklemmen am Ausgang (VDE Problematik)
7. bei zwei eingebauten Steckdosen muss auch ein FI Schutzschalter eingebaut sein
8. CE Kennzeichnung, E Prüfzeichen

Achtung: Der 230V-Ausgang eines Wechselrichters (WR) darf nicht mit auf das 230V-Landstromnetzes geschaltet werden. Möchte man die im Wohnmobil installierten 230V Steckdosen für Landstrom und WR benutzen, benötigt man zum WR einen „Netzvorrangschalter (NVS) mit zwangsgeführten Kontakten“, der bei Anschluss von Landstrom den WR komplett abschaltet. Tut man das nicht, kann man mit ziemlicher Sicherheit den Wechselrichter als Totalschaden abschreiben.
Zusätzlich muss auch die bestehende Verkabelung geändert werden. Der 230V-Anschluss des Kühlschrankes, ggf. der 230V-Heizpatrone der Truma/Alde Heizung, des Batterieladegerätes und der FI/RCD Schutzschalter müssen getrennt von der Ausgangsseite des WR liegen.
Ansonsten würde die AES Automatik den Kühli mit 230V WR-Strom anstatt Gas betreiben und auch die Batterieladung würde sich im Kreis drehen indem die Batterie den WR versorgt, der dann wiederum das Ladegerät mit 230V versorgt damit dieses die Batterie lädt. Ist der 230V Ausgang galvanisch vom Eingang getrennt, muss auch in diesem 230V Strang ein FI/RCD-Schutzschalter verbaut werden.
Bitte beachten Sie im Zusammenhang mit der nachträglichen Installation eines Wechselrichters das nachfolgende Kapitel.


 Stand 30.5.2020

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