Wohnmobil Beratung
herstellerneutral ● kompetent ● erfahren

Stromerzeugung und Speicherung im Wohnmobil

Diese Seite befasst sich mit der Stromerzeugung und Speicherung im Wohnmobil. Die Beschreibung ist für die allgemeine Verständlichkeit vereinfacht dargestellt. Mehr zu diesem "spannenden" Thema finden Sie in meinem Buch "Strom und Spannung im Wohnmobil", in dem die einzelnen Themen ausführlicher erklärt sind.


Stromerzeugung:
Die Stromerzeugung fürs Wohnmobil erfolgt auf mehrere Arten, über deren Vorteile und Nachteile man stundenlang diskutieren kann. Über eines braucht man allerdings nicht zu diskutieren und das ist die Notwendigkeit.

Zuerst einmal die technischen Möglichkeiten:
Im Fahrbetrieb versorgt die Lichtmaschine des Basisfahrzeuges die Bordelektronik mit ca. 13 - 14,1V-Spannung und lädt sowohl die Starterbatterie als auch die Aufbaubatterie(n). Wird der Motor abgeschaltet, trennt ein Trennrelais die Aufbaubatterie(n) vom Bordnetz des Chassis, um eine Entladung der Starterbatterie durch die Aufbauelektrik zu verhindern.

Mit der gelieferten Nominalspannung heutiger Lichtmaschinen von ca.14,3V werden die Batterien  in ca. 8-12h Fahrt aufgeladen. Durch eine zeitgesteuerte Ladung (I/UoU Kennlinie), welche ein Lichtmaschinenregler aber nicht leisten kann und soll kann die Ladezeit verkürzt werden (B2B Ladebooster).
Wenn der Motor läuft und damit die Lichtmaschine dreht wird bei älteren Fahrzeugen von der LiMa nicht nur Strom sondern auch ein Steuersignal D+ (Kl 61, Motor dreht) erzeugt. Damit wird die "Batterieladewarnleuchte" im Armaturenbrett gesteuert. Für den Wohnmobilaufbau wird das alte D+ Signal gerne zur Steuerung von Aufbaugeräten verwendet (Trenn-/Koppelrelais Batterien, 12V-Betrieb, Kühlschrank, ausfahrbare Treppe, Sat-Antenne, etc). Das alte D+ Steuersignal wird aber von den neuen Multifunktionsreglern nicht mehr originär geliefert, es muss von der Motorsteuerung bzw. einem D+ Simulator erzeugt werden.
Bei neueren Fahrzeugen, so ca. ab Bj 2006, wird das Steuersignal D+ nicht mehr von der Lichtmaschine erzeugt. Das Signal kommt jetzt aus dem Bodycomputer (Motorsteuerung) und heist "D+ = aktive ground" oder "Engine run". D.h.:wenn der Motor dreht wird diese Signalleitung gegen Masse geschaltet! Benötigt man weiterhin das D+ = 12V Signal muss man das neue D+ aktive Ground mit einem Relais invertieren (D+ Konverter).

Bei modernen Kompakt-Drehstromlichtmaschinen wird mit Hilfe von Multifunktionsreglern (MFR) die Lichtmaschinenregelung in Verbindung mit dem elektronischen Motormanagement verbessert. Die Lichtmaschine gibt dazu mit dem DFM-Signal ihren Auslastungsgrad an die Motorsteuerung ECM bzw. Bodycomputer, um z.B. bei steigender Belastung die Motordrehzahl und damit auch die Ladeleistung zu erhöhen.
Die neueste Technologie, ab 2014 eingesetzt z.B. bei Sprinter/Crafter EU6, beim Ducato EU6 150 PS EcoJet und bei Fiat/Cit/Peu EU6 mit Start Stopp Automatik ist ein „intelligentes Generatormanagement“ in Zusammenarbeit mit einem Batteriesensor. Dieser ist direkt an der Starterbatterie installiert und gibt Batteriespannung, Temperatur und Lade-/Entladeströme an das elektronische Lastmanagement. Dieses Konzept bezieht die Smart-Charge-Regelung eines Multifunktionsreglers zwar mit ein, geht aber mit der Lichtmaschinensteuerung erheblich weiter. Die Lichtmaschine wird hier dynamisch an der Stromerzeugung beteiligt, und lädt die Batterie bevorzugt beim Bremsen und im Schubbetrieb, also bei Motorentlastung.
Zitat MB: „Beim Beschleunigen und bei Konstantfahrt wird die Leistungserzeugung der Lichtmaschine eingeschränkt, d.h. dem Antrieb steht die volle Motorleistung zur Verfügung“. So kann man es natürlich auch ausdrücken um die Verringerung der Lichtmaschinenleistung positiv darzustellen.
In diesem Fall ist ein angepasster Ladebooster (B2B-Regler) erforderlich. Er erhöht die Ladespannung mit Hilfe einer batterieabhängigen I/UoU Kennlinie auf bis zu 14,6V und optimiert damit die Batterieladung. Dabei sollte der "Aufbau-Ladebooster" so angeschlossen werden, dass der Chassis-Batteriemonitor  die Stromentnahme mitzählt und der Motorsteuerung mitteilt.

Dazu aber ein paar grundsätzliche Dinge:
Der erste Punkt, die Lichtmaschinenleistung:
Der X250 hat serienmäßig eine 120A LiMa. Diese versorgt das Chassis mit Motorsteuerung, Klimaanlage, Fensterheber, Licht, etc. und lädt die 70Ah Startbatterie. Das Chassis benötigt ca. 50-60 A für seine Aufgaben, für die Ladung der Aufbaubatterie bleiben rechnerisch ca. 40-60A übrig.
Die erste Ladungsminderung: Die Überlastregelung einer Lichtmaschine:         
Durch Belastung und ggf. mangelnde Kühlung durch Fahrtwind erwärmt sie sich und der LiMa-Temperaturfühler regelt darauf hin  die Leistung zum Schutz gegen thermische Überlast zurück. Bei Kälte (0°C) beträgt die Lima-Leistung 1500 Watt im Sommer bei wenig Kühlung durch Luft (90°C) beträgt die Leistung nur noch ca. 1150 Watt.
Die zweite Ladungsminderung: Die zu ladende Batterie:        
Nicht die Lichtmaschine oder ein Ladebooster regelt den Strom der in eine Batterie fließt. Beide begrenzen ihn höchstens nach oben. Die Batterie regelt den einfließenden Strom durch die bei Ladung ständig steigende Quellenspannung (früher EMK neudeutsch SoC) und ihren Innenwiderstand. Deshalb fließt immer ein hoher Anfangsstrom, der sich allerdings an der variablen Leistungsgrenze der LiMa orientiert. Sagen wir also 30A. Nach fünf Minuten sind es aber keine 30A mehr sondern nur noch 28A, die Batterie wird ja voller. Das Spiel geht bei einer Limaspannung von 13,8V vielleicht noch 2-3 Stunden weiter, zum Ende hin mit vielleicht 5A, dann ist die Batterie zu 80% gefüllt. Hängt die Lima aber an ihrer Leistungsgrenze von 120A (alle Verbraucher/Batterien zusammen) sinkt die Ladespannung auf ca. 13V bis herunter auf 12,5V. Bei diesen Spannungen fließen aber keine 30A in die Batterie, sondern vielleicht nur 15A.

Fazit: Die Lichtmaschine, bzw. deren unbekannte Reserveleistung ist die Engstelle des Ganzen. Bei serienmäßiger Lichtmaschine ist ein 25A Ladebooster sicherlich in einigen Fällen (Euro6 Regelung, dünne Kabel und/oder lange Kabel zur Aufbaubatterie) sinnvoll, das muss man halt anhand der LiMa/Start/Aufbaubatterie-Konfiguration ausmessen.
Ein 45A Booster oder mehr, lädt die Bleibatterie auch nicht schneller voll als ein 25A Booster, es sei denn die LiMa wurde verstärkt und die Startbatterie liefert die fehlende Lima-Leistung nach. Bei der Ladung einer Lithiumbatterie sieht es allerdings besser aus, aber auch hier muss die entsprechende Reserveleistung der Lichtmaschine/Startbatterie Kombination zur Verfügung stehenBei manchen Batterietypen, wie z.B. einer Gel-Batterie sind "Schnellladung" sogar der Lebensdauer abträglich. Ein lebensdauererhaltender Ladestrom sollte bei ca. 15 bis maximal 20% der Batteriekapazität liegen.

Stromerzeugung im Standbetrieb, 230V Landstrom:
Externen 230V-Anschluss. Über einen FI/RCD Schutzschalter wird das Ladegerät des Aufbaus an "Landstrom" (230V) angeschlossen, das über seinen 12V Ausgang die    anderen Verbraucher des Aufbaus versorgt und die Aufbaubatterie lädt. Ein modernes Ladegerät, auch EBL oder EVS genannt, richtet die 230V Wechselspannung gleich und gewinnt daraus typspezifisch ca. 13,8 -14,6V Ladespannung mit ca. 12 - 20A Ladestrom für die Aufbaubatterien. Eine eingebaute Elektronik regelt die Ladespannung für die Batterie nach einer, an den Batterietyp angepassten, I/UoU Kennlinie. Die übrigen Verbraucher sind über Sicherungen an die Batterie angeschlossen. Fällt die 230V Versorgung aus oder wird diese ausgeschaltet werden die Verbraucher mit der in der Batterie gespeicherten Stromkapazität versorgt.

Stromerzeugung im Standbetrieb, Solaranlage:
Eine Solaranlage, die Strom aus Sonnenlicht gewinnt und diesen in das 12V-Netz des Aufbaus einspeist.
Und nun zu ein paar Zahlen, die eine Leistungsabschätzung ermöglichen:
An meinen Wohnort in Oberbayern betrug im April 2019 die tägliche Sonneneinstrahlleistung 126 kWh/m2  Dieser Wert geteilt durch 30 Tage bei einem Panel Wirkungsgrad von 15% ergibt ca. 630 Watt/h pro Tag. Bei einer Panelfläche von 1m2 und einer 90° Ausrichtung zur Sonne kann ich also mit 630 Wh bzw 48 Ah rechnen. Dies ist aber aufgrund von Jahreszeit, Bewölkung ein ständig wechselnder Wert und kann damit nur statisch gesehen werden.
Man hat deshalb eine Testumgebung "Standard Test Condition (STC) mit folgenden Bedingungen geschaffen:
Einstrahlleistung 1000W/m2 bei 25°C und einem Lichtspektrum AM 1,5 und 90 Grad Einstrahlwinkel.
Daraus ergeben sich bei einem Panel Wirkungsgrad von 15% eine theoretisch erreichbare Spitzenleistung von grob 150Wp/m2. Bei 6,5h Einstrahlung ergäben sich damit ca. 75 Ah.
Bei einer Konstantbestrahlung erhalten Sie lt. Hersteller-Datenblatt 75 Ah, nach DWD-Einstrahlungskarten ca. 48 Ah, das ist schon eine gewaltige Streuung! Von den WP-Leistungsangaben des Solarpanels müssen Sie dann noch die

  • Leistungseinbuße durch Neigungsfehlstellung (10-20%),

  • den aufheizungsbedingten Verlust (ca. 10-20%), Kabel-, Anpassungs- (Solarregler)

  • und Umwandlungsverluste (Batterie) (10%) abziehen.

Grob über den Daumen gepeilt ergibt sich daraus ein Verlust von ca. 30-50%
Praktisch gesehen kann man aber ganz einfach den Nennstrom x Batteriespannung nehmen (z.B. 4,3A x 13V, dann erhält man die tatsächliche erzielbare Leistung (z.B. ca. 56W bei einem 85Wp Modul).
Teilabschattungen des Solarpanel mindern die Leistung zusätzlich und werden durch ungünstigen Montageort (hinter aufgestellter Sat-Antenne, hinter Alkoven) und/oder durch einen ungünstigen Standplatz (Bäume, Gebäude) hervorgerufen.

Stromerzeugung im Standbetrieb, Notstromagregat, Moppel:
Ein externer 230V-Generator (Moppel), der über einen Verbrennungsmotor angetrieben wird und eine Spannung von 230V~ erzeugt, die über den externen 230V Eingang eingespeist wird. Hier sollte man des lieben Friedens willen dringend zwei Dinge beachten, nämlich den Geräuschpegel des Motors (vor allem nachts) und die Belästigung durch die Abgase.

Stromerzeugung im Standbetrieb, Brennstoffzelle:
Die Bereitstellung einer 12V-Versorgung durch die neue Technologie der Brennstoffzellen. Hier wird mit Hilfe eines Brennstoffes (meistens Methanol) geräusch- und abgasfrei eine 12V Spannung zur Ladung der Aufbaubatterien zur Verfügung gestellt.

Was man braucht oder für notwendig hält, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Als kleine Hilfe zur Entscheidungsfindung kurz ein paar Punkte zu Hochleistungsladeregler, Solaranlage und Stromgenerator:
Wer viel fährt und wenig steht, ist mit einem Hochleistungsladeregler gut beraten, denn man hat schon nach relativ kurzer Fahrt die Batterien voll und steht ja nicht lange.

Wer im Sommer lange autark (in der Sonne!!) steht, ist mit einer Solaranlage bestimmt besser bedient, denn die Batterien werden im Stand geladen. Steht das Wohnmobil auch in der Winterpause im Freien, braucht man sich über Entladung der Start/Aufbaubatterien keine Sorgen zu machen, solange das Solarmodul nicht anhaltend mit Schnee bedeckt ist.
Wer im Winter lange (mehr als 2 – 3 Tage) steht und nicht fährt, wird einen Stromgenerator bzw. eine Brennstoffzelle schätzen, da hier weder der Hochleistungsregler noch die Solaranlage viel zur positiven Energiebilanz beitragen. Sowohl beim Hochleistungsladeregler als auch bei der Solaranlage nutzt aber die zusätzliche Stromerzeugung gar nichts, wenn der erzeugte Strom nicht gespeichert werden kann und das bedeutet ausreichend Batteriekapazität. Diese wiederum hängt von den höchst individuellen Lebensgewohnheiten und dem elektrischen Zubehör ab. Eine Beispielrechnung finden Sie unter dem Thema Stromverbrauch.


Bordnetz und Batterieladung im Wohnmobil
Dieses schematische Blockschaltbild einer Standarf Wohnmobil Elektrik zeigt die Ladung von Start- und Aufbaubatterien, die Aufschaltung der Aufbaubatterie mit Trenn/Koppelrelais oder B2B Ladebooster und Unterspannungsschutz der Aufbaubatterie.

Blockschaltbild

Motor läuft:
Der serienmäßige Chassis-Laderegler steuert die Spannung der Lichtmaschine zwischen 13,8V und 14,1V und lädt damit unter anderem die Starterbatterie.
Gleichzeitig wird auf der Leitung D+ ein Steuersignal erzeugt, das das Trennrelais Aufbau schließt. Damit ist auch die Wohnraumbatterie an die Lichtmaschine angeschlossen. Ein zweites Relais versorgt den Kühlschrank für einen 12V Betrieb.
Da ein Chassis-Laderegler nur eine LiMa-Spannung von max. 14,1V zum Schutz vor einer „Batteriegasung“ zulässt, werden die angeschlossenen Batterien bei kurzer Fahrt (4h) maximal zu 80% geladen.
Die Landstromeinspeisung ist (hoffentlich) abgetrennt, eventuell gibt es bei Sonneneinstrahlung noch eine zusätzliche Ladung aus dem Solarpanel.
Motor läuft und ein B2B Lader ist installiert:
Der Laderegler steuert die Spannung der Lichtmaschine zwischen 13,8V und 14,1V und lädt damit die Starterbatterie. Der B2B-Lader erhöht diese Spannung auf bis zu 14,8V und erzeugt damit eine I/UoU kennlinienkonforme Ladespannung für die Aufbaubatterie(n). Die Startbatterie wird weiterhin mit 13,8V - 14,1V geladen.
Da die Ladespannung jetzt bis 14,8V geht wird die Batterie auch bei kurzer Fahrt (3-4h) zu 100% geladen. Damit die Regelung des B2B-Laders nicht durch die Ladespannung des Solarreglers irritiert wird, sollte dieser mit Hilfe eines Trennrelais von den Batterien getrennt werden wenn der Motor läuft.


Solaranlagen, Solarpanel, Temperaturverhalten, Verschaltung, Abschattungseffekte

Ein Solarsystem besteht aus mindestens einem Solarmodul, einem Solarregler und einer Speicherbatterie. Die Aufgabe des Solarmoduls ist es, Strom zu produzieren, der Solarregler übernimmt die Aufgabe die erzeugte Leistung für eine Batterieladung aufzubereiten und die Batterie ist für die Speicherung zuständig. Für die Abstimmung von Solarpanelleistung zur notwendigen Batteriekapazität gibt es eine Faustformel: nämlich Solar Wp Batt Ah bis zur empfohlenen Entladungstiefe. Also 120 Wp bei einer 200Ah Batterie mit einer Entladungstiefe DoD von 60%.
Bei dieser Art von Stromgewinnung erzeugen die auftreffenden Licht-Photonen in einem Teil der Siliziumzelle eine Ladung (Elektronen), die dann als Strom (Stromquelle) über den Verbraucher in den anderen Teil der Solarzelle zurückfließen möchte. Die ist aber eine sehr vereinfachte Erklärung, wer mehr darüber wissen möchte muss sich mit der Einsteinschen Relativitätstheorie und der Quantentheorie des Lichtes beschäftigen. Je nach äußerem Widerstand stellt sich an den Anschlussklemmen des Panels eine Spannung ein. Der Strom ist umso größer, je stärker die Lichteinstrahlung ist und die Größe der Zellen bestimmt die maximale Stromstärke. Der jeweilige Strom (Menge des Sonnenlichtes) und die Spannung aufgrund des Verbraucherwiderstandes ergeben einen Leistungspunkt (MPP) des Panels. Da dieser Leistungspunkt je nach Strahlung und Last wandert, sollte sich der Solarregler darauf einstellen können (Siehe MPPT-Regler). Die Stromabgabe ist also abhängig von der Intensität und der Art der Einstrahlung (Direkteinstrahlung und/oder diffuse Einstrahlung bei Wolken) sowie der Abschattung und der Paneltemperatur.

Eine Solarzelle erzeugt eine Leerlaufspannung von ca. 0,6 Voc. Sobald ein Strom fließt sinkt die Spannung auf den Arbeitspunkt von ca. 0,51 Vmpp ab. In einem Solarpanel werden die einzelnen Zellen in Reihe geschaltet, es kann aber bei einem größeren Panel auch sein, dass zwei 36-Zellenstränge parallel geschaltet werden.
Hat man 36 Zellen auf einem Panel mit ca. 0,7 m2 in Reihe geschaltet, kann man bei ca. 18 Vmpp mit ca. 85 Wp Ertrag rechnen. Beträgt die Größe des Panels ca. 1 m2 kann man schon mit ca. 120 Wp Ertrag rechnen. Die Modul-Arbeitsspannung Vmpp muss dabei immer größer sein als die Ladeschlussspannung der Batterie. Mehrere gleiche Solarmodule können „parallel“ (doppelter Strom, dickere Kabel) oder „in Reihe“ (doppelte Spannung, verschattungsempfindlicher) an den entsprechend dimensionierten Solarregler angeschlossen werden. Was davon Sinn macht, hängt von der erzeugten Modulspannung und dem gewählten Solarregler ab.
Damit die Ladung möglichst batteriegerecht erfolgt muss ein Laderegler (Solarregler) nachgeschaltet werden. Er kontrolliert die Ladespannung vom Solarpanel zur Batterie je nach Batterietyp und Lade phase. An guten Ladereglern kann man die unterschiedlichen Ladekriterien für Nass/AGM1/AGM2/Gel/Li-Batterien einstellen. Sie verfügen teilweise über eine Regelung, die durch kurze Erhöhung der Erhaltungsladungsspannung auch Säureschichtungen einer Nass-Batterie vermischen.
Eine Temperaturkompensation ist bei einem Solarregler äußerst wichtig, denn die Solaranlage läuft ja im Dauerbetrieb, auch im Winter. Sie steuert die Anpassung der Ladespannung bei unterschiedlichen Batterietemperaturen. Es ist deshalb sinnvoll, den Temperatursensor mit direktem thermischem Kontakt zur Batterie zu montieren.
Neuere Solarregler bieten außerdem ein Steuersignal S+, um bei genügend Solarstrom und vollen Batterien die AES-Steuerung des Kühlschranks zum Umschalten von Gas auf das 12V Bordnetz zu animieren, obwohl der Motor nicht läuft.

Solarladeregler gibt es in verschiedenen Technologien:
Der PWR-Regler (Pulsweitenregler) manchmal auch PWM oder PWS genannt, gleicht einem Schalter, der das Solarpanel mit der Batterie verbindet. Wenn der Schalter geschlossen ist, sind die Spannung des Panels und die der Batterie beinahe gleich.
Die Ladeschlussspannung für Nass/Gel/AGM2 oder Lithium kann eingestellt werden. Die gelieferte Leistung wird zur Ladung in Ladungspulse zerlegt, deren Pausen variieren. Wird die Batterie voller, werden die Ladungsintervalle kürzer. Die Frequenz dieser Zerhackung liegt bei ca. 30 kHz. Ist die Batterie voll wird auf Erhaltungsladung umgeschaltet. Diese Art von Regler darf nicht ohne Batterie als Puffer betrieben, da sonst die Ausgangsspannung auf 19 bis 22V hochschnellen kann. Andere Regler schalten den Reglereingang durch einen MOSFET-Transisor kurz.
Sinkt allerdings die Vmpp des Panels unter 16 Vmpp, so ist die Differenz von 1,3V zu einer benötigten AGM-Ladespannung von 14,7V zu klein, da in der Reglerelektronik ja auch ein kleiner Teil der Spannung (ca. 0,5V) zur Schaltung benötigt wird. Bei einer Modulspannung bis ca. 18 Vmpp ist er ein geeigneter und preisgünstiger Regler.

Der MPPT-Laderegler (Maximum Power Point Tracking) sucht, abhängig von der Bestrahlungsstärke, Paneltemperatur, Solarzellen-typ und der daraus resultierenden Leistung den optimalen Leistungspunkt des/der angeschlossenen Solarpanel. Ein MPPT-Regler arbeitet in drei aufeinanderfolgenden Stepps.
Im ersten Step (MPP Suche) ermittelt der Regler regelmässig eingangsseitig die max. Strom-/Spannungsabgabe des Solarpanels mit Hilfe einer Belastungssimulation und errechnet daraus den Punkt der maximalen Leistungsausbeute (P=UxI).
Im zweiten Teil der Schaltung setzt ein DC-DC Leistungswandler (Gleichspannungs-Transformator) den gefundenen Arbeitspunkt, auf eine der Batterieladung angepasste Leistung um. Er wandelt also eine Leistung mit höherer Spannung und wenig Strom in eine Leistung mit niedrigerer Spannung und mehr Strom. Die Leistung bleibt dabei (fast) gleich. Er passt die eingehende Leistung der sich ändernden Solarbedingungen immer wieder so an, dass das Maximum an Ladeleistung erreicht wird. Im dritten Teil (PWR-Regelung) wird auch hier die gelieferte Leistung von 14,7V und 7A zur Ladung in Ladungspulse zerlegt deren Länge variiert. Ab hier ist der MPP Regler wieder ein PWR Regler. Wird die Batterie voller, werden die Ladungsintervalle kürzer. Ist die Batterie voll wird auf Erhaltungsladung umgeschaltet. Auch hier darf bei manchen Reglern die Batterie nicht abgeklemmt werden ohne den Regler vorher durch Abklemmen der Panels außer Funktion zu setzen.
Jetzt kann der gespeicherte Strom nach Bedarf aus der Batterie entnommen werden.

Das war jetzt eine grundsätzliche Beschreibung einer Solaranlage. Der Solarstrom wird durch die Sonneneinstrahlung erzeugt, deshalb wird der Ertrag auch durch verschiedene Faktoren beeinflusst:

  • Klarer Himmel oder Bewölkung (gilt für das ganze Modul)
  • Den Einstrahlwinkel, sollte 90° betragen, ist bei liegender Montage aber nie gegeben weil wir nicht am Äquator campen.
  • Teilabschattung einzelner Zellen eines Moduls, die den Stromfluss in der Reihenschaltung der Zellen behindern.
  • Die Temperatur der einzelnen Zellen. Da die Zellen aus Halbleitermaterial bestehen steigt der Strom bei sinkender Temperatur.

Damit die Leistung der Solarpanels vergleichbar wird hat die Industrie eine „Standard Testbedingung“ STC
(Einstrahlungsleistung 1.000 W/m2 bei 25°C, Lichtspektrum AM 1,5 und 90° Einstrahlwinkel) definiert.
Unter diesen Bedingungen wird die Leistungsabgabe Wp, oft auch als Nennleistung genannt, gemessen. Ein Solarpanel mit einer Fläche von 1m2 und einem Modul-Wirkungsgrad von ca. 16% erzeugt bei STC eine theoretisch erreichbare Leistung von grob 160 Wp/m2. Bei sechs Stunden Einstrahlung nach STC ergeben sich damit ca. 960 Wp/h bzw. 74 Ah.
Von der Wp Angabe des Solarpanels müssen Sie also die Leistungseinbuße durch Einstrahlungsdämpfung (Wolken, Dunst), Einstrahlungswinkel (Sonnenstand, ca. 10 bis 20%), den aufheizungsbedingten Verlust (ca. 10 bis 20%), den Kabel- und Anpassungsverluste (Wirkungsgrad Solarregler) und Umwandlungsverluste (Batterie, ca. 10%) abziehen. Grob über den Daumen gepeilt ergibt sich daraus ein Verlust von ca. 30 bis 50%.


 Stand 20.1.2020

eine Ebene zurück